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Wie nachhaltig sind Matratzen?

Gerade wenn wir über die Klimakrise reden, wird vor allem über die Dinge gesprochen, die jeder einzelne von uns mithilfe kleiner Veränderungen tun kann. Egal ob es die gesunde vegane Ernährung, die Vermeidung von Plastik, die Nutzung von Zug statt Flugzeug, oder der Kauf von regionalen und second-hand Produkten ist. Diese und viele weitere Themen finden meist ein offenes Ohr, wenn es um die Rettung unserer Umwelt geht.

Wie nachhaltig sind Matratzen?

Doch was können wir tun, um unseren Schlaf auch nachhaltiger zu gestalten? Schließlich verbringen wir etwas mehr als 24 Jahre unseres Lebens damit zu schlafen (1.). Das sind durchschnittlich fast ein Drittel unseres gesamten Lebens (Ich habe mir eigentlich verboten diesen Spruch zu bringen, er ist nämlich DAS Verkaufsargument der Schlafindustrie. Achte mal drauf). Als wäre das kein Grund sich auch mal darüber Gedanken zu machen, zu was wir jede Nacht ins Bett steigen.


Kleiner Disclaimer vorweg: Mir geht es hier nicht darum, dir ein schlechtes Gewissen zu machen, nein. Mir geht es darum, Wissen nach außen zu tragen und Aufklärung über das zu schaffen, was viele Unternehmen uns oftmals verschweigen oder versuchen grün zu waschen. Schaue also selbst, welche Schlüsse du aus diesen Fakten ziehst. Es kann sein, dass du etwas ändern wirst; es kann aber auch nicht sein. Und das ist wirklich ok. Jede*r muss für sich selbst sehen, was momentan für ihn/sie möglich ist. <3


Matratzen

Für die meisten ist der Matratzenkauf eine totale Qual. Völlig verständlich! Denn wie soll man aus diesem riesigen Angebot wissen, welche Matratze die beste und gleichzeitig nachhaltigste für einen ist?


Eines ist klar: Jeder hat ganz bestimmte Kriterien beim Kauf einer neuen Matratze. Sie darf nicht zu hart, aber auch nicht zu weich sein, muss eine gute Qualität haben, darf aber auch nicht zu teuer sein. Doch viel zu selten spielt bei dieser Entscheidung ihre Umweltverträglichkeit eine Rolle (2). Es kommt einem so vor, als wäre der Kauf nach dem Probeliegen oft schon entschieden. Ganz nach dem Motto: „Fühlt sich gut an, nehm' ich!“.


Aber was ist mit dem Material der Matratze und und was passiert, wenn man sie entsorgt? Was viele nicht wissen, ist, dass die Mehrheit der Matratzen zum Teil aus erdölbasierten Kunststoffen bestehen. Sie sind also nicht biologisch abbaubar und werden oftmals nach dem Gebrauch verbrannt, was nicht nur giftige Gase, sondern auch umweltbelastendes CO2 freilässt.


„Jedes Jahr werden durch die Herstellung und Verbrennung von Plastik weltweit rund 400 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen (3).


Nur mal so zum Vergleich: Das ist die Menge an CO2, die Italien jährlich emittiert (4). Und das ist nicht das einzige Problem. Denn solche synthetischen Fasern können auch problematisch für unsere Gesundheit sein. So hat eine Studie aus dem Jahr 2015 herausgefunden, dass nicht nur Polyester, sondern auch Baumwolltextilien Giftstoffe enthalten, die das Risiko für allergische Dermatitis erhöhen, Krebs auslösen und zusätzlich unsere Gewässer verschmutzen (5).


Worauf du achten solltest

Was kannst du jetzt also tun? Schaue genau hin, aus welchen Materialien deine Matratze besteht. Um dir da ein wenig Hilfe zu geben, habe ich dir hier eine Liste aller Matratzenarten zusammengestellt, von denen ich dir tendenziell eher abrate. Nochmal als Erklärung: Diese Liste soll dich nicht verunsichern oder dir ein schlechtes Gewissen machen. Dies sind lediglich Fakten, die du alle selbst nachlesen kannst.


Federkernmatratzen:

Normale Federkernmatratzen passen sich häufig nicht punktuell an den Körper an. Ihre Polsterung besteht oftmals aus künstlichem Schaumstoff und einem Bezug aus Polyesterfaservlies (da gibt es aber auch Varianten mit Baumwolle oder Schurwolle).


Kaltschaummatratzen:

Der Kern vieler Kaltschaummatratzen besteht meist aus Polyurethan. Dieser Kunststoff ist nur schwer zu recyceln und lässt bei seiner Verbrennung giftiges Dioxin frei (6).  Laut des Umweltbundesamts ist dieses Dioxin krebserregend und baut sich nur sehr langsam in der Umwelt ab (7).


Viskoelastische Matratzen:

Sie bestehen aus Formgedächtnis-Polymer. Ein Kunststoff, welches auch häufig unter dem Namen „Memory Foam“ verkauft wird. Die untere Lage dieser Matratze besteht aus sogenanntem „PUR-Schaum“, der Schaum, der auch bei der Kaltschaummatratze verwendet wird (also auch Polyurethan).


Quellen

(1) Gruner+Jahr, P.M. Magazin, Womit verbringen wir unser Leben? Mehr als 24 Jahre schläft der Deutsche, zwölf Jahre sitzt er vor dem Fernseher (03.01.2014), URL: https://www.presseportal.de/pm/24835/2631810 (Stand: 03.12.2019)

(2) Statista, Statista-Umfrage Schlafen & Matratzen (November 2016), URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/632125/umfrage/kriterien-beim-kauf-neuer-matratzen-in-deutschland/ (Stand: 03.12.2019)

(3) Europäisches Parlament. Plastikmüll und Recycling in der EU: Zahlen und Fakten (19.12.2018), URL: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20181212STO21610/plastikmull-und-recycling-in-der-eu-zahlen-und-fakten (Stand: 03.12.2019)

(4) Climate Watch, URL: https://www.climatewatchdata.org/countries/ITA (Stand: 03.12.2019)

(5) Giovanna Luongo, Stockholm University. Chemicals in textiles – A potential source for human exposure and environmental pollution (2015), URL: http://diva-portal.org/smash/get/diva2:850089/FULLTEXT02.pdf (Stand: 04.12.2019)

(6) BUND – Friends of the Earth, Schadstoffe in Plastik (k.A.), URL: https://www.bund.net/themen/chemie/achtung-plastik/schadstoffe-in-plastik/ (Stand: 04.12.2019)

(7)  Umweltbundesamt, Dioxine (31.08.2017), URL: https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/dioxine#textpart-1 (Stand: 03.12.2019)